3. Tag beim Töchterchen… Heute geht es um ihre Zukunft

20. August 2019

Heute ist ein großer Tag für mein Kind. Wir haben eine Besprechung mit Betreuern, Mitarbeitern vom Amtsgericht und anderen wichtigen Menschen, die über die Zukunft meiner Tochter entscheiden.

Kathi möchte gerne in eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen nach Essen wechseln. Ich bin da so gar nicht einverstanden, da die Drogenkarriere meiner Tochter in Essen angefangen hat. Außerdem denke ich, das Essen für eine Drogenaffine Person das absolut falsche Pflaster ist. Ich sehe, das mein Kind zwar momentan Drogenfrei ist, das sie aber noch immer einen starken Hang in diese Richtung hat. Und da ich Dinge voraussehen kann, bin ich ganz sicher, das sie in Essen wieder auf die schiefe Bahn gerät und dort mit einem „goldenen Schuss“ enden wird.

Um das zu vermeiden, wäre es mir lieber, wenn sie in dem beschaulichen Ilten bleiben würde. Aber da das Gericht, die Betreuer und auch ich den Wunsch meiner Tochter respektieren müssen, findet heute diese Sitzung statt. Hier kann jeder seine Standpunkte vorbringen und wir schauen, das wir zu einer guten Lösung kommen.

Diese Lösung ist auch nach einer guten Stunde gefunden. Da Kathi seit über 15 Jahren nicht mehr in Essen war, soll sich selber ein Bild von der Stadt machen. Sie soll mich hier ein langes Wochenende in der Villa Chaos besuchen und von hier aus die Stadt Essen erkunden. Allein.. ohne Begleitung und ohne mich. Allerdings muss sie diesen Wochenendtrip selber organisieren. Sie soll sich erkundigen, wie die Zugverbindungen sind, sie soll sich ein Ticket besorgen und sie soll alleine mit Bus und Bahn nach Bochum kommen. Auch hier in Bochum soll sie alleine unterwegs sein.

Ich denke, das ihr das alles viel zu viel Aufwand ist, und sie es nicht umsetzen wird. Der Wunsch, ins Ruhrgebiet zu kommen ist zwar da, aber nur, wenn ich hinfahre, sie abhole und Sonntags Abend wieder in die Einrichtung bringe. Und sie natürlich auch übers Wochenende zu den Orten bringe, die sie in Essen besuchen möchte.

Sollte nicht ein großes Wunder geschehen, und meine Tochter in ihrer Krankheit eine Menge Eigeninitiative entwickeln, wird sie garantiert noch viele Jahre in der größten Psychiatrie Europas leben.

Das Team BonnyMobil macht sich nun, nach diesen Gesprächen auch langsam auf in Richtung Heimathafen. 250 km liegen vor uns und am späten Nachmittag werden wir die Villa Chaos erreichen. Traurig sind wir ein bisschen, aber auch froh. Die Tage mit meiner Erstgeborenen waren nicht einfach und sehr anstrengend. Aber ich bin glücklich, das ich sie nach so langer Zeit endlich mal wieder gesehen habe.

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