Ein bisschen Wespengift und ein höllischer Abend

Ein bisschen Wespengift und ein höllischer Abend

  1. Tag der Reise nach Spanien

Renniremont, Frankreich

Da hatte ich doch gestern wirklich ein bisschen Pech und einen heftigen Schock in der Abendstunde. Nachdem wir uns es ein bisschen Gemütlich gemacht haben, Bonny und ich waren gerade dabei, unser Abendessen zu uns zu nehmen. Meines bestand aus einer kalten Frikadelle. Mit einem guten Buch in der Hand, wollte ich gerade herzhaft in mein Leckerchen beißen, als wohl eine Wespe die gleiche Idee hatte. Diese hat mir dann auch gleich aus Rache heftig in die Oberlippe gestochen.

Sekunden später sah ich aus, als hätte ich eine völlig missglückte Botoxbehandlung hinter mir. Dazu schoss mein Blutdruck in die Höhe, ich bekam am ganzen Körper Juckreiz und hatte das Gefühl, als hätte ich einen ziemlich heftigen Schlag auf meinen Solar Plexus bekommen. Mein Ruhepuls schnellte auf 120 – 150 Schläge. Und es tat höllisch weh! Das ganze hat mir schon Angst gemacht, und mein erster Gedanke war ein Anaphylaktischer Schock…..

Ich war auf meinem Platz ganz alleine. Der Biergarten hatte bereits geschlossen und niemand war in meiner Nähe. Zuerst dachte ich daran, zu dem Reiterhof, der etwa 300 m weit entfernt war, zu gehen. Das war aber nicht möglich, da ich das Gefühl hatte, jeden Moment umzufallen. So habe ich mich einfach auf mein Bett gelegt und das Beste gehofft.

Theoretisch sollte ich auch ein Antihistaminikum dabei haben… dachte ich zumindest. Nachdem ich ein bisschen geschlafen hatte, beruhigte sich auch langsam mein Puls und mein Blutdruck war wieder im normalen Bereich.

Ich habe mich dann durch Schreiben ein bisschen abgelenkt. In den Spiegel wollte ich nicht mehr schauen, denn es fühlte sich schon schlimm genug an. Da wollte ich das Elend auch nicht noch sehen.

Die Krankenschwester in mir verordnete viel Flüssigkeit, um das Gift auszuspülen. Das Problem war nur… mit solchen Lippen konnte ich nichts trinken. Glas und auch Flasche waren komplett kontraproduktiv. Alles lief mir über Hose und Shirt. Aber ….schlau wie ich bin….. hatte ich ein paar Strohhalme aus Metall eingepackt. Das war dann meine Rettung.

Die Nacht verlief eher unruhig. Ich schlief nur oberflächlich, und träumte wohl irgendwann, das sich jemand an meinem BonnyMobil zu schaffen machte. Da war aber niemand und Bonny hat auch nicht angeschlagen.

Heute morgen wagte ich dann doch mal einen Blick in den Spiegel…. und ja… so wie es sich anfühlt sehe ich auch aus. Das ganze Gesicht ist angeschwollen, mein rechtes Auge komplett verquollen und nun sah ich aus, als hätte ich eine heftige Kiefervereiterung. Ansonsten ging es mir aber gut.

Auch für meinen Kaffee musste ich heute meinen Strohhalm nutzen. Ich verstehe nicht, wie die Mädels das mit ihren Botox – Aufgespritzten Ballonlippe hinbekommen…. ich kann es nicht.

Nach dem Spaziergang und einem Frühstück… Brötchen klein Schneiden, dann direkt in den Mund… funktionierte…. überlegte ich, das es Sinnvoll wäre, eine Apotheke anzufahren und Citrizitin, ein Antihistaminikum, zu besorgen.

So haben wir uns heute mal wieder einen kommunalen Stellplatz ausgesucht. Dieser liegt in Remiremont. Eine Kleinstadt mit 7700 Einwohnern. Remiremont gehört zum Departement Vogesen und zur Region Gran Este. Und liegt etwa 25 km hinter Epinal. Die Stadt wurde im Jahr 620 gegründet und beherbergte viele Jahrhunderte das berühmte Kloster Rombech. Die Stiftskirche ist mehrfach abgebrannt und wurde nach dem Wiederaufbau 1049 geweiht, aber auch immer wieder umgebaut. Das damalige Palais der Äbtissinnen von 1752 ist heute das Rathaus. Im Stadtkern stehen noch einige alte Häuser mit Laubengängen.

Auch ist Remirmonte bis in heutiger Zeit für seine Forellenpasteten und seinen Käse berühmt.

Der Stellplatz, auf dem wir stehen liegt direkt an den Gleisen der Fernzüge. Diese fahren wohl auch Nachts.

300 m weiter ist ein netter, kleiner Badesee. Wir haben ihn locker in weniger als einer halben Stunde umrundet. Dazu gibt es einige BoulePlätze, Liegewiesen und sogar einen kleinen Sandstrand. Auch Gastronomie ist vorhanden.

Dank dieses kleinen Sees sind Bonny und ich heute auch wieder nur auf etwas über 4000 Schritte gekommen. Beim Spaziergang hatte ich dieses Mal alle Blicke auf mich und wurde tatsächlich von jedem Menschen freundlich gegrüßt. Kannte ich so aus Frankreich noch nicht…. Liegt aber auch wohl eher an meinem geschwollen, verquollenem Gesicht.

Jetzt hat gerade ein bisschen Regen eingesetzt. Das ist auch gut so. Die Mosel, die hier eher ein Möselchen ist, führt hier kaum noch Wasser. Welche ein Unterschied, zu den großen Fluss mit seinen vielen Frachtschiffen in Deutschland und dem kleinen Bächlein hier!

Heute sind wir übrigens 155 km in etwa 2,25 Stunden gefahren. Ja… Diesel sparen ist angesagt. Denn so günstig ist der Diesel hier auch nicht. Trotz Tankrabatt. Zwischen 1,74 und 1,91 Euro kostet hier ein Literchen!

Bis nach Aguilas, unserer spanischen Base, sind es noch 1747 km. Zu unserem Zwischenstopp in der Provence sind es noch 641 km.

In der Apotheke war ich noch nicht. Das werde ich morgen erledigen. Dann geht es auch etwa 110 km weiter. In der Höhe Besacon habe ich einen schönen Natur See gefunden, an dem wir das Wochenende verbringen werden, wenn es uns dort gefällt. Heute bleiben wir erst einmal hier, und genießen den Abend. Möglicherweise schaffe ich es heute sogar mein Abendmahl ohne irgendwelche Zwischenfälle einzunehmen.

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