Von Sagres nach Praia de Barranco… Ein Höllentrip

5. April 2019

Die Nacht in Sagres war schon ziemlich heftig. Von Sturm über Starkregen, bis Hagel war alles dabei. An Schlafen war da irgendwie gar nicht zu denken, Aber da ich ja nun mal wach bin, kann ich mir auch gleich Gedanken über den heutigen Tag machen.

Da das BonnyMobil ja mittlerweile seine Dusche hatte und auch wieder richtig sauer ausschaut, wird es auch für mich mal Zeit über eine heiße Dusche nachzudenken. Die Letzte war ja noch in Torre del Mar, und das liegt ja nun auch schon wieder einige Tage zurück.

Das Problem hier in Portugal ist aber leider, das es nicht wirklich viele CamperArea gibt. Laut meiner App muss ich entweder viele Km weiter oder 16 km zurück fahren. Ich hab ja eigentlich beschlossen, nicht wieder zurück, sondern nur nach vorn zu fahren. Das würde aber heißen, das ich weder Ron und Katharina, noch die Hörnchen Familie wieder sehe. Blöd…. Aber Duschen muss sein. Meine Grundwaschaktionen mit Schüssel und warmen Wasser im BonnyMobil sind ja ok. Aber hin und wieder unter einem heißen Wasserstrahl stehen, lässt mir gerade das Wasser im Munde volllaufen…sozusagen… Also doch zurück.

Also Frühstücken, Kaffee…ohne geht eh nix… Packen und dann los. Der CamperArea liegt in Figueira, mitten in einem winzigen Dorf namens Budens mit ca. 1500 Einwohnern und mitten in einem Naturschutzgebiet gelegen. Irgendwie ist dieser CamperPlatz sogar recht nett. Und für eine Sekunde habe ich sogar überlegt, ob ich mich da für 2 Tage einmieten soll. 6 Euro ist nicht die Welt und Strom, Dusche und Toilette gibt es auch. Aber Nein… Duschen und Mrs. Porta Potti reinigen muss reichen. Ich wurde an der Rezeption in Englisch empfangen und der Umstand, das ich nur Duschen wollte, war kein Problem. 10 Minuten für 1 Euro…. super. Die Duschen waren toll… Groß und sogar mit riesigem Duschkopf unter der Decke. Leider war das Wasser nicht so richtig heiß, und es zog, da es eine Teiloffene Dusche war…. aber ok. Ich war zufrieden und fühlte mich auch gleich wieder wohler und fit. Auch die Entsorgung lief Problemlos und Wasser konnte ich auch noch auffüllen. Alles war gut.

Nun hieß es überlegen, wie es weitergeht. Im Internet hatte ich von einem genialen Strand gelesen, an dem Alt- und Junghippis in coolen Vans leben. Gar nicht soo weit entfernt. Gut, die Zufahrt zu diesem Strand soll nicht die allerbeste sein, aber was soll es. Da will ich hin. Der Strand heißt Praia do Barranco und liegt irgendwo im Nirgendwo.

Der nächste Ort ist Raposeia und liegt noch lockere 5 km entfernt. Frau Google kennt den Weg… dachte ich zumindest… ok… tut sie auch aber sie schickt mich auf einen Weg, der selbst mit einem Pferd problematisch ist. Allerdings dauerte es ein bisschen, bis ich das begriffen habe und da war es schon zu spät. Ich saß in der Falle. Zurück ging nichts, aber nach vorne ging auch nichts. Mir wurde heiß, sehr heiß… und ich bekam Angst. Hier konnte ich nicht weiter… aber wenn es die anderen geschafft haben, muss das BonnyMobil es auch schaffen… Aber WIE haben die anderen es geschafft. Hier geht nix.. gar nix… langsam wurde ich Panisch. Da es aber in überhaupt keine Alternativen gab, gab es nur den Weg nach vorn. Ich wusste weder wie lang dieser Weg ist, noch ob es noch schlimmer wird…wobei schlimmer konnte es eigentlich nicht mehr werden. Ich hatte eine Höllenangst. Um mein BonnyMobil, um Bonny und auch um mich.

In Zentimeterarbeit bewegte ich das BonnyMobil weiter. Die Furchen waren so tief, das das BonnyMobil drohte, einfach umzufallen. Die Steine waren so spitz, das ich Angst hatte, alle 4 Reifen aufzuschlitzen. Es war wirklich die Hölle. Selten war ich so hochkonzentriert. Das Adrenalin in meinem Körper zwang mich, immer zu versuchen, die beste Spur zu finden. 2 mal passierte es, das ich mein Fahrwerk aufsetzte. Mein Blutdruck war kaum noch messbar. Was, wenn ich mir jetzt den Bremsschlauch abgerissen habe? Ich wusste nur, das ich da irgendwie durch musste, ansonsten wären wir verloren. Wenn hier etwas geschieht, wird uns so schnell niemand finden.

Wer würde auch nach uns suchen? Keiner wusste, wo wir hin wollten. Also musste ich weiter. Und wieder passierte es, das das BonnyMobil schwer in Schieflage geriet. Und wieder versuchte ich zu retten, was zu retten war. Und irgendwann sah ich einen anderen Weg voraus. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir es geschafft, und wieder halbwegs geraden Boden unter den Rädern.

Wobei auch diese Straße den Namen Straße nicht verdient. Schlaglöcher ohne Ende, und da es ja vorher ordentlich geregnet hat, natürlich voller Wasser, so das ich nur raten konnte, wie tief diese waren. Aber im Gegensatz zu dem, was hinter uns lag, war diese Piste echt toll. Bis….ja bis… nach ein paar Kilometer Löcherpiste war die auf einmal gepflastert. Irgendein Schlauer Mensch hat sich wohl vor vielen, vielen Jahren gedacht…. Machen wir doch aus der Piste mal ne Richtige Straße. Hier liegen eh noch ein paar KM Knochensteine rum, die keiner mehr braucht…. und dieser schlaue Mensch hat dann einfach die oben genannten Steinchen genommen und die löcherige Schotterpiste als Straße zusammengebastelt. Der Gedanke war ja auch nicht sooo schlecht. An der Umsetzung haperte es.. Mittlerweile ist diese Knochensteinstraße nämlich so unterspült, das die Gebrochenen Steine spitz nach oben stehen und die Wagen, die dieses Kunstwerk entlang hoppeln., sich des öfteren mal die Reifen aufzuschlitzen.

Also, für die Rückfahrt hatte ich also die Wahl zwischen Pest und Kolera…

Nach gefühlten 100 Stunden lag dann der berühmte Hippiestrand vor mir. Einige UraltVans standen dort, viele Hunde und auch die dazugehörigen Herrchen und Frauchen waren schwer am Team BonnyMobil, den Neuankömmlingen, interessiert. Viele Blicke verfolgten uns und wir wurden sehr freundlich und nett empfangen. Allerdings war mir so gar nicht nach Smalltalk oder anderen Kontakten.

Noch ging es mir gar nicht gut, und ich hatte kaum ein Auge für diese wunderschöne Landschaft, die vor mir lag. Der Strand war zwischen hohen Klippen eingefasst und der Höllenweg, den wir kamen, war auch der einzige, der wieder herausführte. Es war schon faszinierend und erinnerte mich an den Film… „ The Beach“ . Allerdings fühlten wir uns hier überhaupt nicht sicher und wohl. Das lag weniger an den Menschen oder an der Bucht, sondern eher daran, das ich eine riesengroße Angst um mein BonnyMobil und die Rückfahrt hatte.

Beim näheren Hinsehen viel mir auch auf, das Hippies zwar in der Natur leben wollen, aber nicht mit dieser. Überall lag Kot und Müll. Von Hunden und von Menschen. Es stank auch danach und als ich bemerkte, das er hier weder Internet noch Telefon gab, war auch schnell klar, das ich hier nicht die Nacht verbringen werde. Ich hätte eh kein Auge zugemacht, da mir der Rückweg wirklich ein enormes Problem machte.

Außerdem hatte ich nach diesem Höllentrip auch die Nase voll. Vielleicht war es wirklich Zeit, nach Hause zu fahren. Vielleicht bin ich für so etwas doch nicht geeignet. Vielleicht war der ganze Trip eine blöde Idee. Ich konnte nicht anders… ich saß an diesem wunderschönen Strand und heulte mir die Augen aus.

Noch war ich mir auch nicht sicher, ob mein BonnyMobil noch heil war. Hatte ich mir den Unterboden aufgeschlitzt, ist die Bremsleitung gerissen, hat die Dieselleitung ein Leck? Komme ich überhaupt hier wieder weg? Selbst Hilfe holen ist hier ein Problem. Was nützt mir der ADAC, wenn ich ihn nicht erreichen kann. Nein, ich muss mich zusammenreißen und sehen, das ich vor der Dunkelheit wieder nach Sagres komme. Diesen Höllenweg schaffe ich kaum bei Tageslicht. Also Tränen abputzen, noch mal notdürftig das BonnyMobil checken und dann los.

Die Angst vor dem Weg war noch immer groß und ich betete , das es einen besseren Weg gäbe, als diese Höllenroute. Und es gab ihn. Wobei auch hier „Besser“ echt übertrieben ist. Aber zumindest bestand auf diesem Weg nicht die Gefahr, das mein BonnyMobil auf die Seite fällt.

Halbwegs heil und gesund erreichten wir dann wieder Sagres. Für mich war es klar, das das Team BonnyMobil sich am nächsten Tag auf den Heimweg macht. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nur noch irgendwo parken, und dann schlafen. So überlegte ich nicht lang und fuhr den nächstbesten Parkplatz an. Dort standen ein paar Van´s und somit war ich sicher, dort die Nacht verbringen zu können. Nichts mehr hören und nichts mehr sehen. Dachte ich….

Plötzlich klopfte es an der Tür und vor mir steht… Katharina. Ohne es zu bemerken stand ich direkt neben den beiden veganerKids. Was ein Zufall. Es tat so gut, die Beiden zu sehen.

Schnell redeten sie mir meine morgige Heimfahrt aus. Da Katharina einen coolen Beach in der Nähe kannte, ging es im Konvoi weiter zu unserem neuen Schlafplatz.

Dort ging es mir auch wieder besser und nachdem mir auch mein Camper- Held per Notfallhotline bestätigte, das mein geliebtes BonnyMobil keinen Schaden genommen hat, was das Team BonnyMobil wieder zufrieden und freute sich an der schönen Umgebung und auf einen netten, entspannten Abend.

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